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Glashütte

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Einwohnerzahl: 107 Einwohner
Gemarkungsfläche: 178,66 ha.

Chronik:

Der Ortsteil Glashütte ist die jüngste Ansiedlung in der Gemeinde Wald. Im Jahre 1701 richtete die damalige Äbtissin Maria Jakobina von Bodman des Klosters Wald an den Fürsten Meinrad von Hohenzollern Sigmaringen die Bitte, eine Glashütte einzurichten, und die dafür benötigte Fläche des schlagbaren Buchenwaldes abholzen zu dürfen. Der Fürst genehmigte die Errichtung einer Glashütte mit der Auflage, jährlich an das Kloster Wald 2000 Stück Glasscheiben zu liefern. Der Glasmeister Abraham Schmid aus Liptingen richtete nach verschiedenen vorbereitenden Maßnahmen noch im selben Jahr eine Glashütte ein. In den folgenden Jahren sind rings um die Glashütte herum immer wieder neue, großflächige Holzeinschläge genehmigt und durchgeführt worden. Es war eine natürliche Entwicklung, dass sich die Beschäftigten der Hütte in unmittelbarer Nähe ein Eigenheim erbauten, so dass nach und nach eine kleine Siedlung entstand. Im Jahre 1745 verstarb der Betreiber der Glashütte. Erst 1749 übernahm sein Sohn, der in einer Glashütte bei Isny sich gründliche Kenntnisse erworben hatte, den Betrieb. Er starb im Jahr 1761. Im gleichen Jahr übernahm dessen Sohn, Abraham von Schmidsfelden, die Leitung der Hütte, und nach seinem Tode führte seine Ehefrau, eine verwitwete Hofrätin, den Betrieb weiter. In den Jahren bis 1860 werden weitere Namen: Glasinspektor Anton Batsch, Pius Dilger und Bernhard Eisele genannt. Etwa um 1860 kam die Glashütte in den Besitz des Josef Faller, der sie mit einem Teilhaber bis 1881 führte. Dann wurde sie aufgelöst und die Gebäude 1887 abgebrochen. In der „Waldischen Glashütte" waren neben einheimischen Arbeitskräften auch damals schon Pendler aus Kappel, Rengetsweiler, Otterswang, vorwiegend aber aus Göggingen, beschäftigt. Es wurde in der Hauptsache Hohlglas farblos, oder in den Farben grün, gelb oder braun, und alles mit Lungenkraft durch die Glasmacherpfeife geblasen, hergestellt. Die wichtigsten Erzeugnisse waren Flaschen, Trinkgläser, Schüsseln, Röhren, die langen Quecksilber-Barometerröhren und ballonartige Glaskugeln als Fliegenfänger. Auch Fensterglas wurde in größeren Scheiben hergestellt. Der Quarzsand als der wichtigste Teil des Rohmaterials wurde in den Riedwiesen auf der Gemarkung Bittelschieß und in der Erhebung des heutigen „Walder Berges" gefunden und abgebaut. In der Blütezeit der Glashütte um 1870 herum arbeiteten etwa 44 Jugendliche im Alter von 13 bis 16 Jahren, 3 Frauen und 46 Arbeiter täglich 8 Stunden lang. Der durchschnittliche Wochenlohn betrug damals 8 Mark. Absatzgebiet der Erzeugnisse war neben dem heimischen Markt vor allem die nahe gelegene Schweiz, wobei nach dem deutsch-französischen Krieg diese Kunden ganz verloren gingen. Dies war mit ein Grund für die spätere Einstellung des Betriebes. Ein weiterer Grund war die damals schon beginnende Industriealisierung auf technisch hochstehende Glasfabriken, die den mundblasenden Betrieben jegliche Wirtschaftlichkeit nahmen.

Die Wohnsiedlung ist mit der Entwicklung der Glashütte langsam, aber stetig gewachsen. Die Fürstlich Hohenzollerische Landesregierung Sigmaringen hat den dort angesiedelten Familien für ihre Wohnungen die erforderlichen Hofstattrechte verliehen und mit Urkunde vom 18. Oktober 1830 genehmigt, unter dem Namen „Glashütte" eine eigene Gemeinde zu bilden. Das Erwerbsleben gründete sich damals nahezu ausschließlich auf die Landwirtschaft. Jede Glasmacherfamilie hatte mehrere kleine Parzellen, die nur schwer und umständlich zu bewirtschaften waren, so dass dem Trend in der Landwirtschaft folgend, die Nebenerwerbsbetriebe immer weniger geworden sind. Ein Vollerwerbsbetrieb und drei kleinere Betriebe haben sich bis heute gehalten. Ähnlich sieht es bei den Gewerbebetrieben aus. Früher gab es zwei Brantweinbrennereien, eine Bierbrauerei und das Gasthaus „Zum Adler", welches schon 1831 als Wirtshaus genannt wurde und vor nahezu 30 Jahren seine Pforten geschlossen hat. Heute gibt es in Glashütte nur noch einen Kfz-Betrieb. Von den ehemaligen hohen Kaminen der Brennereien wurde eines gesprengt; das andere, wegen Beschädigung stark verkürzt, steht heute noch.

Um die Jahrhundertwende ist in Glashütte schon eine zentrale Wasserversorgung aufgebaut worden, weil die Brauerei und die Brennereien enorme Wassermengen verbrauchten. Leider hat man damals, vielleicht auch schon aus Geldmangel, zum Teil gebrauchte Rohre verwendet, so dass in den 60er Jahren erhebliche Wasserverluste aufgetreten sind. Es ist damals oft vorgekommen, dass selbst am frühen Morgen das Wasser nur spärlich aus dem Hahn tropfte. Die Gemeinde stellte 1969 den Antrag zum Anschluss an die Wasserversorgungsgruppe Wald, welcher 1970 genehmigt wurde. Es wurde zusammen mit Kappel eine fünf Kilometer lange Leitung gebaut, durch welche Glashütte nun bei ausreichenden Druckverhältnissen mit reichlich Wasser versorgt wird.

Schon ein Jahr nach der Gründung der Glashütte, also 1702, wurde für die Beschäftigten eine Kapelle erbaut, die dem heiligen Jakob geweiht war. Diese stand bis 1846 und wurde dann abgebrochen.  An derselben Stelle wurde eine neue Kapelle errichtet. Es ist ein einfach verputzter Backsteinbau mit einer lichten Höhe von 4,3 m, mit einem biberschwanzgedeckten Satteldach mit einem offenen hölzernen Glockenbock und kupferbedeckten Spitzhelm. Die Innenausstattung besteht aus einem hölzernen, bemalten Tabernakel (Mitte 18. Jhd.), einer bemalten Josefstatue, ein Kruzifix aus dem 18. Jahrhundert und ein neuzeitliches Herz-Jesu-Altarbild im Nazarenerstil. Glashütte war bis 1835 Filiale der Pfarrei Wald. Danach wurde es der Pfarrei Walbertsweiler zugeordnet. 1974 wurde die Kapelle renoviert. Mit Hilfe der Einwohnerschaft wurde 1993 ein elektrisches Läutwerk eingebaut.

Die Geschichte der Ortschaft wird hervorragend dokumentiert im 2001 erschienenen und bei der Gemeindeverwaltung erhältlichen Buch „Glashütte - von der Fabriksiedlung zum Bauerndorf" von Dr. Wolfgang Wiese.

Wappen

glashuette.gifIn gespaltenem Schild vorne in Schwarz ein doppelreihig rot-silbern geschachter Schrägbalken, hinten in Gold ein kelchförmiges rotes Glas. Der Zisterzienserbalken erinnert an die frühere Zugehörigkeit zum Kloster Wald. Das Glas weist darauf hin, daß der Ort seine Entstehung der hier vom Kloster Wald im Jahre 1701 ins Leben gerufenen Glashütte verdankt. Mit dem Kloster ging Glashütte 1806 an Hohenzollern-Sigmaringen über. Zur selbständigen Gemeinde wurde der Ort erst 1830.